Sie fanden den Toten im Mordfall Ruth Blaue

Leiche lag in Klein Nordende / Einer der spektakulärsten Fälle der Nachkriegszeit

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(Klein Nordende/Elmshorn/ rs) Wer den Elmshomer John Blaue 1946 erschlagen hat-seine schöne Ehefrau Ruth Blaue oder ihr Geliebter Horst Buchholz - ist bis heute ungeklärt. Fest steht: Sie wurde später wegen Mordes verurteilt. Ein Stoff, der 1963 als Stahlnetz-Folge „Das Haus an der Stör“ verfilmt worden ist. Ein Straßenfeger. Dieser ist jetzt im Klein Nordender Gemeindezentrum vor ausverkauftem Haus noch einmal gezeigt worden. Eine Resonanz, mit der auch Ulrike Weers vom ausrichtenden Kulturausschuss - sie selbst hatte die Idee-nicht gerechnet hatte. Doch Klein Nordende spielte
im Mordfall eine zentrale Rolle. Der Leichnam von John Blaue wurde dort im Sommer 1947 entdeckt. Von Günter Kröger und Gert Killisch, beide im Jungenalter. Sie kamen zur Filmvorführung und konnten sich noch lebhaft an den grausigen Fund erinnern. Nahe der Dorfstraße, am heutigen Waldweg, habe sich eine Kieskuhle befunden, so Kröger. Ein beliebter Badetreff. „Es war ein Tag wie immer", schildert Killisch. Er habe gebadet und im Wasser eine Art Beule gesehen. Beim Näherkommen „war zuerst ein Ohr zu sehen. Der Kopf guckte aus einem Sack heraus. Das war nicht appetitlich.“ So erinnert es auch Kröger.

Als zufällig sein Onkel zur Grube kam, wollte dieser gar nicht glauben, dass dort eine Leiche sei. Da habe jemand schwarz geschlachtet, habe sein Onkel gedacht, so Kröger. Er selbst habe dann einen Feuerhaken geholt und den Sack mit der Leiche an Land geholt. Eine Verbindung zu Blaue gab es zunächst nicht. Denn der Ehefrau zufolge hatte ihr Mann, der im November 1946 angeblich in die Ostzone verschwand, anders als der Tote keinen Goldzahn.

Erst 1955 führte der Draht, mit dem der Seesack verschnürt war, die Ermittler auf die Spur von Blaue und Buchholz. Denn mit solchem Draht hatte Buchholz auch seine Kunstwerke verpackt. Letzterer nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben. Ruth Blaue bestritt danach jede Beteiligung an dem Mord mit einer Axt. Der Kieler Jurist Klaus Alberts arbeitete den Fall später in einem Buch auf. Er äußerte Zweifel, dass die Indizien gegen Ruth Blaue ausreichend waren.

aus der Holsteiner Allgemeinen Zeitung vom 08.11.2017