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Blick in die Erdgeschichte

TAG DES GEOTOPS Am 17. September stellen Wissenschaftler das Naturdenkmal Liether Kalkgrube vor / Kostenlose Führungen

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KLEIN NORDENDE Die Liether Kalkgrube ist als Nationales Geotop Mitglied einer besonderen Liga von geologischen Naturdenkmälern in Deutschland. Gerade einmal 77 dieser Orte gibt es bundesweit. Dies zeigt, wie besonders das Gelände ist, das vor der Haustür Elmshorns in Klein Nordende liegt. Wer einen Blick in die Erdgeschichte werfen und mehr über das Naturdenkmal erfahren will, hat dazu am Tag des Geotops Gelegenheit. Die Mitglieder der Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tomesch, welche die Kalkgrube seit 1985 pflegen und fachlich betreuen, beteiligen sich erneut an diesem bundesweiten Aktionstag. Am Sonntag, 17. September, sind alle Interessierten eingeladen, das Geotop zu erkunden.

Bundesweit gibt es 77 zertifizierte Nationale Geotope. In Schleswig-Holstein lediglich drei. Neben der Kalkgrube sind dies das Morsum-Kliff auf Sylt und die zum Kreis Pinneberg gehörende Insel Helgoland. Die Pflege der Kalkgrube erfolgt ehrenamtlich durch die Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tomesch im Auftrag des Kreises Pinneberg und des Landes Schleswig-Holstein. „Ehrenamtlich darf nicht im Sinne von amateurhaft verstanden werden“, sagt Roland Vinx, Schutzgebietsbeauftragter für die Kalkgrube. Im Team gebe es Garten- und Landschaftsbauer für die Vegetationspflege sowie professionelle Geologen für die geologische Betreuung. „Ein Elektromaschinenbauer kümmert sich um die Instandhaltung der Entwässerungsanlage und andere Handwerker um die Pflege der Infotafeln, der Zäune, Bänke und Wege“, berichtet Vinx. Diese und weitere Mitglieder des Teams kümmerten sich auch um das Einsammeln von Abfällen, die Entfernung von Buschaufwuchs und die Instandhaltung zahlreicher Vogelkästen. „Alle Arbeiten geschehen wegen der besonderen Bedeutung der Liether Kalkgrube allein aus Überzeugung. Honorare werden nicht gezahlt. In diesem Zusammenhang ist es natürlich bitter, dass Abfälle achtlos verstreut und immer mal Einrichtungen mutwillig beschädigt werden“, betont Buntsandsteininsel Helgoland - neben der Liether Kalkgrube einer der zwei Nationalen Geotope des Kreises Pinneberg. vinx
Vinx. Geologische Führungen der Kulturgemeinschaft werden für Gruppen grundsätzlich kostenlos von Geologen angeboten. Dies gilt auch für den bundesweiten Tag des Geotops, der seit 2002 jeweils am dritten Sonntag im September stattfindet.

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Am 17. September beginnen zwischen 10 und 12.30 Uhr jede halbe Stunde jeweils einstündige Führungen. Voranmeldungen dazu sind nicht erforderlich. „Die Führungen sind authentische Einführungen in die besondere Geologie der Lie-ther Kalkgrube durch ausgewiesene Wissenschaftler“, sagt der Schutzgebietsbeauftragte. Auch unerwartete geologische Fragen seien willkommen und würden gern beantwortet. „Es gibt keine bessere Möglichkeit zur Information über die zum Teil faszinierenden Besonderheiten der Liether Kalkgrube und die größeren Zusammenhänge. Viele der Fakten sind überraschend“, wirbt Vinx für die Teilnahme am Tag des Geotops. „Ein Rundgang durch die Liether Kalkgrube ist nicht nur ein Gang in einer ungewöhnlichen Landschaft, sondern auch ein Eintauchen in einen Salzstock und in den tiefen Untergrund Holsteins.“

en 140917dAm Tag des Geotops werden auch thematische Postkarten, Schriften über die Kalkgrube und Bücher über die regional vorkommenden Gesteine und ihre Geschichte angeboten. Die Erträge kommen der Pflege des Naturschutzgebiets und im Fall der Bücher dem Schleswig-Holsteinischen Eiszeitmuseum in Lütjen-burg (Kreis Plön) zugute.

Wer einen Besuch am 17. September nicht einrichten kann, hat auch ansonsten Gelegenheit, sich über das Naturdenkmal zu informieren. Weitgehend neue Infotafeln vor und in der Kalkgrube bieten unabhängig von Führungsterminen jederzeit Übersichtsinformationen an. „Die Inhalte sind leicht verständlich abgefasst“, berichtet Vinx. In Vorbereitung ist auch ein aktualisiertes Info-Faltblatt über das Naturschutzgebiet, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Jan Schönstedt

 

STICHWORT GEOTOP

Geotope sind Orte, die geologische Strukturen oder erdgeschichtliche Vorgänge in oft ferner Vergangenheit erkennen lassen. In diesem Sinne ist zum Beispiel jeder Steinbruch, jede Grube und jedes Meeresufer ein Geotop. Einen besonderen Rang nehmen Nationale Geotope ein. Seit 2006 gibt es 77 davon in Deutschland. Sie sind gerade erst von einer Kommission der staatlichen geologischen Dienste der Bundesländer überprüft worden und für weitere zehn Jahre erneut zertifiziert worden. So auch die Liether Kalkgrube in Klein Nordende. Bei der Zertifizierung wird vor allem Wert auf den Pflegezustand, die Zugänglichkeit der bedeutenden Details und um die angemessene Darstellung in der Öffentlichkeit gelegt.    pt

aus den Elmshorner Nachrichten vom 14.09.2017